Die Titanic – An Luxus und technischen Innovationen nicht zu überbieten.

Die Titanic galt Anfang des 20. Jahrhunderts als das Schiff aller Schiffe.

269 Meter lang, Höchstgeschwindigkeit: 21-24 Knoten, Die Titanic wurde von drei Propellern angetrieben, die wiederrum von Dampfturbinen angetrieben wurden.

Es gab auch vier Schornsteine, von denen allerdings nur drei für den Rauchabzug genutzt wurden. Der vierte Schornstein diente hauptsächlich als ästhetisches Element.

Die Titanic konnte mehr als 2.400 Passagiere befördern, darunter rund 900 Besatzungsmitglieder.

Die Titanic war in drei Klassen unterteilt: Erste Klasse, Zweite Klasse und Dritte Klasse.

Sie hatte zahlreiche luxuriöse Einrichtungen, darunter ein Schwimmbad, ein Fitnessstudio, ein großes Speisezimmer für die Erste Klasse, einen Musiksalon und vieles mehr.

Der Rumpf der Titanic bestand hauptsächlich aus Stahl.

Die Titanic war mit den damals modernsten Navigations- und Kommunikationseinrichtungen ausgestattet, darunter ein Marconi-Funksystem.

Die Titanic war das größte Schiff der Welt und galt vor allem als unsinkbar! Hatte sie deswegen zu wenig Rettungsboote an Bord und war sie deswegen unterversichert? Waren sich alle beteiligten Ingenieure und Techniker ihrer Sache so sicher, dass man keinen vollständigen Versicherungsschutz als notwendig erachtete? 

Wie kam es zum Untergang der Titanic?

Mit großem Medienrummel stach die RMS-Titanic am 10. April 1912 in Southampton in See. 2.224 Passagiere befanden sich an Bord.

In den ersten Tagen der Seefahrt verlief alles perfekt.  „Volle Fahrt voraus“ hieß es für die Crew, denn die Titanic galt als das modernste und sicherste Schiff. Also konnte eigentlich gar nichts schief gehen. Nach einigen Tagen kamen aber mehrere Funknachrichten von anderen Schiffen, die vor der Existenz von Eisfeldern in ihrer Route warnten. Trotz dieser Warnungen entschied sich die Crew, die Geschwindigkeit nicht zu reduzieren und weiterhin mit hoher Geschwindigkeit durch die eisige Nacht zu fahren.

Der Untergang kam wie der Dieb in der Nacht.

Am 14. April 1912, gegen 23:40 Uhr, kollidierte die Titanic mit einem riesigen Eisberg. Der Zusammenstoß riss ein 90 Meter großes Leck in den Bug, wodurch Seewasser in sechs der vorderen Abteilungen des Schiffs eindringen konnte.

Die Besatzung erkannte nicht sofort die Ernsthaftigkeit der Situation. Einige Crewmitglieder unterschätzten die Gefahr und glaubten, dass das als unsinkbar geltende Schiff nicht ernsthaft beschädigt war.

Das eindringende Wasser füllte schnell mehrere wasserdichte Abteile, was zu einem Ungleichgewicht im Schiff und einem Absinken des Bugs führte.

Mit der zunehmenden Flut an Wasser begannen Passagiere und Besatzungsmitglieder, die Ernsthaftigkeit der Situation zu erkennen. Allgemeine Panik brach aus. Die Evakuierung begann, aber aufgrund der begrenzten Anzahl an Rettungsbooten und mangelnder Koordination verlief diese total chaotisch.

Die Titanic war nicht ausreichend mit Rettungsmitteln ausgestattet. Es gab nur genug Rettungsboote für etwa die Hälfte der Passagiere und Besatzung. Zudem wurden die Boote nicht vollständig ausgelastet. Warum gab es zu wenig Rettungsboote? Arroganz und Hybris der Schiffsbauer? Schon allein mehr Rettungsboote hätten so hohe menschliche Verluste verhindern können.

In den frühen Morgenstunden des 15. April 1912 war es dann so weit. Die Titanic neigte sich immer stärker nach vorne. Um 2:20 Uhr brach das Schiff in zwei Teile und versank endgültig im eiskalten Wasser des Nordatlantik.

Trotz eines Notrufs war keines der Schiffe in der näheren Umgebung in der Lage, der Titanic zu Hilfe zu eilen, ehe sie in ihr 3000 Meter tiefes Grab auf dem Boden des Atlantischen Ozeans, südlich von Neufundland in Kanada, sank.

Erst 2 Stunden später, erreichte die RMS Carpathia den Unglücksort gegen 4:00 Uhr morgens und rettete die Überlebenden aus den Rettungsbooten. Insgesamt überlebten nur etwa 710 Menschen von den mehr als 2.200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern.

Der Untergang der Titanic gilt als eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Seefahrt und hat eine nachhaltige Wirkung auf die Sicherheitsstandards von Passagierschiffen und die Regulierung von Notfallprozeduren auf See gehabt. 

Wie war die Titanic versichert?

Die Titanic war durch mehrere Versicherungsgesellschaften versichert. Die Hauptversicherungspolice wurde von der britischen Versicherungsgesellschaft Lloyd’s of London ausgegeben. Die Gesamtkosten für die Versicherung der Titanic beliefen sich auf etwa 5 Millionen US-Dollar (das entspricht in etwa 120 Millionen US-Dollar heute, wenn man die Inflation berücksichtigt).

Trotz Baukosten von rund 7,5 Millionen Dollar war die Titanic nur mit einer Kaskodeckung von 5 Millionen Dollar versichert. Zu den mehr als 70 Mitversicherern gehörte auch die Allianz, einer der wenigen nicht-britischen Versicherungsgesellschaften.

Die Versicherungspolice für die Titanic umfasste verschiedene Risiken, darunter Kollisionen, Feuer und Havarien. Dennoch war die Deckung nicht ausreichend, um die gesamten Verluste abzudecken, die durch den Untergang des Schiffes verursacht wurden. Vor allem hat der Kapitän der Titanic wohl grob fahrlässig gehandelt, denn er hat die Eisberg-Warnungen ignoriert und die Seeleute auf der Ausguck-Plattform wurden mit minderwertigen Fernrohren ausgestattet und konnten Eisberge nicht rechtzeitig orten. Damals gab es bei der Kasko Versicherung eine „All or Nothing“ Schadenregulierung. Das bedeutet, die Versicherer hätten bei grober Fahrlässigkeit nicht leisten müssen. 

Versicherungssumme und Deckung

  • Baukosten der Titanic: ca. 1,5 Millionen Pfund
  • Versicherte Summe: ca. 1 Million Pfund
  • → also nicht voll versichert

Das bedeutet: Ein erheblicher Teil des Risikos blieb bewusst beim Reeder selbst (Selbstbehalt bzw. Eigenrisiko).

Was genau war versichert?

Versichert war primär:

  • Der Schiffskörper (Hull Insurance)
  • Teile der technischen Ausstattung

Nicht bzw. nur eingeschränkt:

  • Fracht (separat versicherbar)
  • Passagiergepäck
  • Personenschäden (damals rechtlich und versicherungstechnisch noch sehr eingeschränkt geregelt)

Die Haftpflicht für Passagiere spielte im Vergleich zu heute eine deutlich geringere Rolle.

Schadenfall Titanic: Untergang am 15.04.1912

Beim Untergang am trat Folgendes ein:

  • Totalverlust des Schiffes
  • Die Versicherer zahlten relativ schnell (innerhalb weniger Wochen)
  • Die vereinbarte Summe von ca. 1 Million Pfund wurde ausgezahlt an die Reederei!

Ein bemerkenswerter Punkt:
Es gab keine langwierigen Streitigkeiten über die Ursache, obwohl der Untergang eines der größten Schiffsunglücke der Geschichte war.

Versicherungsrechtliche Einordnung aus heutiger Sicht

Aus moderner Sicht würde man die Titanic als unterversichert und haftungsrechtlich unzureichend abgesichert einordnen: Heute wären üblich:

  • Vollwertige Kaskodeckung (Hull & Machinery)
  • P&I-Versicherung (Protection & Indemnity) für:

    • Personenschäden
    • Umweltfolgen
    • Haftpflicht gegenüber Dritten und somit deutlich höhere Versicherungssummen im Milliardenbereich.

    Ein häufiger Irrtum auch heute: Viele Unternehmer gehen davon aus, dass „die Versicherung alles abdeckt“.
    Tatsächlich gilt:

    • Eine Sachversicherung schützt nur Ihr eigenes Vermögen
    • Drittschäden sind immer ein separates Thema (Haftpflicht!)

Gab es Schadensersatz für die Angehörigen der Opfer?

Die Angehörigen der Opfer des Titanic-Unglücks erhielten Schadensersatz, weil die Werft White Star Line eine Haftpflichtversicherung für Schäden an Dritte abgeschlossen hatte. So konnten sie Betroffene und Hinterbliebene bezahlen, jedoch war die Gesamtsumme weit geringer als die tatsächlichen Verluste. Die Schadensersatzzahlungen wurden auf Grundlage der Versicherungspolicen und der internationalen Gesetze zur Haftung für Schiffsunfälle festgelegt.

Schätzungen zufolge beliefen sich die Schadenersatzansprüche aufgrund der Katastrophe auf insgesamt 12 Millionen Dollar (preisbereinigt mit der US-Inflation, auf mindestens 278 Millionen Dollar). Nach dem Untergang zahlten die Versicherungsgesellschaften etwa 664.000 Pfund Sterling (ungefähr 91 Millionen Pfund Sterling heute, also ca. 100 Millionen Euro) an Schadensersatz aus.

Die White Star Line, das Unternehmen, das die Titanic betrieb, war rechtlich dazu verpflichtet, Schadensersatz zu leisten. Die Gesamtsumme der Entschädigungen belief sich jedoch auf nur einen Bruchteil der Gesamtverluste. Einige Hinterbliebene der Opfer reichten Klagen ein, um höhere Entschädigungen zu erhalten.

Die Höhe der Schadensersatzzahlungen variierte je nach den Umständen des Todes und den individuellen Vereinbarungen der Hinterbliebenen mit der Reederei oder den Versicherungsgesellschaften. In vielen Fällen wurden die Ansprüche außergerichtlich geregelt, um langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren zu vermeiden.

Die Höhe des Schadensersatzes für die Opfer der Titanic variierte je nach den individuellen Umständen, Vereinbarungen und Klagen.

Die Schadensersatzzahlungen wurden auf Grundlage der Haftungsgesetze, Versicherungspolicen und individuellen Vereinbarungen zwischen den Angehörigen der Opfer, den Versicherungsgesellschaften und der Reederei festgelegt. In vielen Fällen wurden die Ansprüche außergerichtlich geregelt, um langwierige Gerichtsverfahren zu vermeiden. Es ist schwer, eine genaue Gesamtsumme anzugeben, da die individuellen Vereinbarungen und Klagen unterschiedlich waren. Einige Hinterbliebene erhielten höhere Beträge als andere, abhängig von Faktoren wie dem sozialen und finanziellen Status der Verstorbenen, dem Alter, der Anzahl der Hinterbliebenen und anderen Umständen.

Durchschnittswert der Versicherungsleistung

Wenn man rein rechnerisch vorgeht:

  • ca. 1.500 Todesopfer beim Untergang der RMS Titanic
  • Gesamtsumme: 664.000 USD

→ ergibt im Durchschnitt etwa 440 USD pro Opfer

Dieser Wert ist jedoch irreführend, weil:

  • viele Fälle deutlich darunter lagen
  • einige wenige deutlich höhere Beträge erhielten

Historisch belegt ist:

  • Niedrigste Entschädigungen: teils nur wenige hundert Dollar
  • Höchste Entschädigungen: mehrere zehntausend Dollar
  • Angehörige von wohlhabenden Passagieren (1. Klasse) erhielten deutlich mehr
  • Familien von Auswanderern (3. Klasse) erhielten oft nur minimale Beträge.

Die niedrigen und ungleichen Zahlungen hängen direkt mit dem damaligen Recht zusammen, insbesondere mit dem Merchant Shipping Act 1894. Dieses Gesetz erlaubte eine massive Haftungsbegrenzung für Reedereien.

  • Es gab damals kein modernes Schmerzensgeldsystem
  • Der Fokus lag fast ausschließlich auf dem entgangenen Einkommen.

Versicherungsrechtliche Einordnung aus heutiger Sicht

Aus heutiger Perspektive wären solche Entschädigungen:

  • wirtschaftlich völlig unzureichend und rechtlich kaum haltbar.

Heute üblich:

  • Personenschäden können schnell Millionenbeträge pro Fall erreichen
  • Haftpflichtversicherungen sind entsprechend dimensioniert.

Der Tragödie letzter Teil

Eigentümer der Titanic war die Reederei White Star Line. Sie gehörte wiederrum zur Schiffsholding IMMC. Eigentümer der Holding war kein Geringerer als der öffentlichkeitsscheue, millionenschwere Banker und Unternehmer JP Morgan. Er sollte bei der Jungfernfahrt am 10.April 1912 von Southampton nach New York dabei sein. Er hatte für sich die Präsidentensuite gebucht aber eine Krankheit zwang ihn von der Reise fernzubleiben. Doch mit diesem Glücksfall erkaufte sich der damals 75-Jährige nur ein wenig Zeit. Ein knappes Jahr später starb JP Morgan in einem Hotel in Rom.

Den Tod auf der Titanic fand ebenfalls der damals reichste Mann der Welt. Jakob Astor. Ihm gehörten die luxuriösesten und berühmtesten Hotewls der Welt, wie das Waldorf Astoria und das St. Regis in New York. Als das Schiff am untergehen war, brachte er seine damals schwangere Frau Madeleine zu den Rettungsbooten und verabschiedete sich von ihr mit den Worten: „Das Meer ist ruhig. Es wird dir gut gehen. Du bist in guten Händen. Wir sehen uns morgen früh.

Jakob ging dann an Deck mit seinem Smoking.  Er hielt seine goldene Uhr in der einen Hand und in der anderen, eine Zigarette.

Mit dem Untergang der Titanic ging auch die Schiffsholding unter. Aufgrund der enormen finanziellen Belastungen der Katastrophe musste die IMMC 1915 Konkurs anmelden.